Das Laufmädchen beim Wings for Life World Run

Hallo Ihr Lieben,

ja, sie lebt noch. Und sie läuft. Und endlich schreibt sie auch mal wieder drüber.

Bevor ich von meiner aktuellen Marathonvorbereitung berichte, möchte ich kurz die Gelegenheit nutzen, um D A N K E zu sagen.
Für all die umwerfenden Nachrichten und das Feedback zu meinem Jakobsweg Beitrag und dem aktuell grandiosen Spendenstand von 21.916,71€ Euro!

Ich wollte mit meinem Bericht wirklich niemanden zum Heulen bringen.
Aber ich bin immer authentisch. Und vielleicht auch gern mal für manchen zu ehrlich und zu offen.
Das Leben ist nun mal nicht jeden Tag voller Sonnenschein.
Man leidet, man trauert, man heult. Man kämpft und verliert.
Und dann gibt’s auch wieder viel Grund zur Freude und man lacht sich durchs Leben.
Ich schreibe diesen Blog so, dass ich mir selbst treu bleibe.
„Die Welt ist immer schön“ Blogs gibt’s zu genüge. Und ich bin froh über jeden einzelnen Leser, der meine Zeilen vielleicht auch deshalb gern liest, weil ich offen sage, dass z.B. auch im Sport nicht alles einfach ist und man oftmals seine Komfortzone verlassen muss.
Wenn ich Euch auf diesem Wege weiterhin motivieren kann, den eigenen Popo hochzubekommen oder öfter zu bewegen, erfüllt dies das Laufmädchen Herz mit unendlicher Freude. DANKE!

Der finale Countdown zum Vivawest Marathon ist nun gestartet.

Nur noch 13 Tage!

Meine Güte – wo ist denn bitte die Zeit hin?

Ab heute beginnt die sogenannte Tapering Phase.
Der Laufumfang wird ab heute von 75 Laufkilometern pro Woche auf die Hälfte reduziert und es folgen auch mal kürzere, schnellere Einheiten.

Am 17. Mai werden wir dann sehen, ob ich es packe die 42,195 km mit einem Lächeln zu genießen und über die Zielmatte zu tanzen.

Die große Marathon Generalprobe von 35 Laufkilometern fand gestern statt. Meine bislang weiteste und längste Distanz.
An den Sonntagen davor waren es 30 und 32.
Somit bin ich die drei letzten Sonntage dreimal über 30km gelaufen.
Wahnsinn!
Was die Laufmädchen Beine und vor allem der Dickschädel in der Lage sind zu leisten. Das hätte ich niemals gedacht. Ich habe letztes Jahr im Oktober das erste Mal die 20er und im November die 25er Marke geknackt. Und jetzt, erst gut 2 Jahre nach dem Laufstart werde ich meinen ersten Marathon laufen. Wenn mir das jemand davor gesagt hätte, ich hätte lauthals gelacht. Und zwar verdammt laut.

Die Generalprobe war in einigen Punkten zur Vorbereitung eine harte Schule. Man kann es auch ansatzweise worst case Szenario nennen und somit fühle ich mich doch irgendwie doppelt gut vorbereitet.

Ich wusste schon recht lange, dass ich an diesem Tag meinen großen langen Vorbereitungslauf haben werde. Irgendwann kam dann die Option dazu, beim Wings for Life World Run zu starten. Ich ging davon aus, das ließe sich sicherlich verbinden.

Der WFLWR ist ein Lauf, der weltweit zu gleichen Zeit (11:00 UTC) stattfindet.
Das war gestern die 2. Auflage und in Deutschland waren die Standorte Darmstadt und München zur Auswahl.

100 % der Startgelder fließen in die Rückenmarkforschung und der Lauf steht dafür, dass wir quasi für die Menschen laufen, die es nicht können. Weil sie z.B. an einen Rollstuhl gefesselt sind. Ein bekannter Botschafter ist Samuel Koch, der gestern auch vor Ort war.

Hauptsponsor der Veranstaltung ist Red Bull. Durch die Blubberbrause werden die administrativen Kosten gedeckt. Die dürfen gern öfter in solche Veranstaltungen investieren.
Vielleicht bisken weniger Fußball, dafür mehr Laufen, hm?

Der Lauf selbst hat keine vorgegebene Distanz, wie man es von anderen Laufveranstaltungen kennt. Hier läuft jeder, wie weit er kann. Denn einige Zeit nach dem Start fährt das sogenannte Catcher Car los. Und je nachdem, wie schnell oder langsam man läuft, holt einen irgendwann das Auto (bzw. die Kolonne aus 2 Catcher Cars, Krankenwagen, Polizei und Media Team) ein und der Chip wird ausgebucht. Das Rennen ist vorbei.
Es gibt aller paar Kilometer Sammelpunkte und die Läufer werden mit Shuttlebussen zum Eventgelände zurückgebracht.

Ich habe bei dem WFLWR in Darmstadt teilgenommen.

Ausgerüstet mit meinem Trinkrucksack, Gels und Riegeln ging es zur Aufstellung in Startblock C.
Und ich war nicht alleine. Ich hatte 2 Laufjungs dabei. Ronny und Marius.

Ronny läuft in 2 Wochen auch seinen nächsten Marathon (Würzburg)  und Marius wird im Herbst in Frankfurt seine Premiere haben, wenn ich auf dem Weg zu meinem 2. Marathon bin.
Marius hat vor 2 Jahren (als mein Kollege in Mannheim) meine ersten tapsigen Laufmädchenschritte hautnah miterlebt und auch maßgeblich zu meiner Motivation beigetragen. Außerdem hat er mich zu meinem ersten Triathlon 2013 überredet und darin bestärkt.
Vor kurzem hat er mich auch im Ruhrgebiet besucht.
Uns beide verbindet eine schöne (Sport-) Freundschaft. Am 21. Juni stehen wir beide wieder gemeinsam an der Triathlon Startlinie. Dort wird auch Marius‘ Freundin Ramona ihr Debüt haben und da freue ich mich schon total drauf.

Punkt 13 Uhr ging es los. Weltweit standen Tausende von Läufern, Walkern und auch Rollis in den Startblöcken und wollten ihr Bestes geben. Die Stimmung war richtig toll.

Im Vorfeld habe ich gemeinsam mit meinem Trainer besprochen, meinen langen Lauf mit dem Event zu verbinden, wenn ich es schaffe, wirklich locker und nicht im Wettkampftempo zu laufen. Das bedeutet – Start in einer 7er Pace und diszipliniert locker und vor allem konstant durchlaufen.
Der Gedanke selbst war eigentlich auch total gut. Theoretisch. Und ich bin froh, an diesem Event selbst teilgenommen zu haben. Aber ich fühlte mich nicht wirklich so richtig als Teil davon.
Die ersten Kilometer liefen erwartungsgemäß unkompliziert. Es war zwar wirklich komisch so langsam zu laufen, aber das hat ja einen Sinn.
Ich musste mich von anderen Läufern überholen lassen, obwohl ich viel schneller hätte laufen können.
Ich lief weiter, als das Catcher Car zwischen Kilometer 10 und 11 an mir vorbeidüste.
Ab Kilometer 15 war von der eigentlichen Veranstaltung nichts mehr zu sehen und zu spüren. Umschalten. Kopfsache. War hart. Richtig hart.

Ich hatte im Vorfeld den Streckenverlauf analysiert und wusste ganz grob, wie ich in der mir unbekannten hessischen Pampa, rund um Darmstadt, eine Strecke von 35 Laufkilometern zusammenpuzzeln konnte.

Ronny blieb bei mir. Das hatten wir vorher so abgesprochen.

Wir liefen von Erzhausen nach Weiterstadt, trampelten dort etwas planlos im Wald rum und navigierten uns dann via Smartphone wieder Richtung Darmstadt zurück. Das war für den Kopf etwas stressig. Wir waren auf uns gestellt und haben auch selten Menschen gesehen.
Zumindest hat man sich dadurch ganz schön allein gefühlt. Der totale Kontrast zum vorherigen Gemeinschaftsgefühl im Rahmen des WFLWR.

Und dann…. Dieser Regen. Ja, wir sind alle nicht aus Zucker. Und ich laufe wirklich gern mal im Regen. Das kühlt ab und ist ein wunderschöner Erdungskontakt zur Natur.

Aber ich brauche das nicht über 4 Stunden lang! Das war kein feiner niedlicher Nieselregen.
Es hat geschüttet. Alles war patschnass. Permanent hatte ich mein eigenes ausgeschwitztes Salz in den Augen und das hat gebrannt wie blöd. Kilometerlang und stundenlang.

Bei Kilometer 17 habe ich mein erstes Gel (Cliff Razz) genommen. Bei Kilometer 27 das zweite. Dazu habe ich 2 Liter Wasser aus dem Rucksack getrunken. Das wurde auf den letzten 100m auch erst leer. Vor daher perfekt dosiert. Ansonsten habe ich nichts zusätzlich gebraucht. Das ist schon mal gut zu wissen. Ich hatte sehr früh gefrühstückt und dann noch mal 30 Minuten vor dem Lauf einen Nussriegel und eine halbe Banane gegessen.

Ab dem 30. Kilometer musste ich mit den Beinen ganz schön kämpfen. Ich war froh, dass Ronny dabei war. Allerdings ist er ein recht ruhiger Zeitgenosse und es gibt nichts Schlimmeres, als sich in solchen Momenten und dann noch im strömenden Regen nebeneinander anzuschweigen.

Ich hatte schöne und motivierende Gedanken. Die haben mich einen Großteil getragen. Aber trotzdem verkrampft man sich unbewusst auf ein „Oh man ey, wie weit denn noch? Wann piepst diese Scheiß Uhr endlich wieder?“. Das killt Dich irgendwann und macht bekloppt.

Als meine Garmin zum 35. Mal an meinem Handgelenk vibrierte und piepste, war ich unendlich froh, es überstanden zu haben. Ich war zwar geschafft, hatte aber keine Schmerzen. Direkt danach habe ich eigentlich nur noch Stolz empfunden. Es ging mir gut. Ich hatte nur einen Bärenhunger.
Schnell aus den patschnassen Klamotten raus und dann ging es nach einer kurzen Verabschiedung von Ronny direkt mit dem Auto zurück nach Essen. Ich habe noch nie mit so gutem Wissen eine komplette Packung Manner Waffeln und Oreo Kekse in mich reingestopft. Später in Essen gab es dann aber auch noch was Gescheites für die Pflanzenfresserin. Und ein Erdinger Alkoholfrei. Welch Wohltat. Ich hatte also nur etwas verspätet meine wohlverdiente Zielverpflegung.

Der Sieger des Tages in Darmstadt ist übrigens Florian Neuschwander.
Er hat es auf die Distanz von 74,56 Kilometern geschafft, als das Auto ihn einholte. Flow (Runwiththeflow) ist Ultraläufer, Vizeweltmeister im Ultra Trail und auch in der Asics Frontrunner Community.

Ich hatte vor dem Lauf die Gelegenheit, die wohl coolste Sau (tschuldigung!) des Laufsports kennen zulernen. Und dann rockt der das Ding auch noch mit Ansage. Neee, wat schön. Hat mich von Herzen echt gefreut.
Anna Hahner und Mocki waren übrigens ebenfalls am Start.

An dem Tag habe ich auch viele andere bekannte Gesichter getroffen. Das war schon ein witziger Zufall und wir hatten alle jede Menge Spaß.

Nichtsdestotrotz bin ich froh, dass diese langen langsamen Läufe geschafft sind.
Ich bin heiß darauf, endlich den Marathon zu rocken und meine angepeilte Pace von 06:17min/km laufen zu dürfen. Ich habe meine Freundin Nicole dabei, mit der ich bereits den Venloop gerockt habe.
Ab Kilometer 17 wird uns außerdem noch der liebe Dominik begleiten und gegebenenfalls den Mann mit dem Hammer verscheuchen.
Kati, Tobi und noch andere Freunde laufen beim Vivawest den Halbmarathon und ich bin mir sicher, dass wir alle am 17. Mai eine große Party feiern werden.

Heute – einen Tag später klappt es mit den Treppen runter noch nicht so gut. Fühlt sich nach Oma an aber ist trotzdem irgendwie nicht unangenehm. Ich habe nicht erwartet, dass ich diesen Lauf wegstecke, als wäre nichts gewesen.

Viel schlimmer sind eigentlich die Dinge, die durch die Reibung und den Regen entstanden sind. Ich habe am Halsknochen fiese Schürfstellen und mein Rücken / Bauch sieht auch recht übel aus. Aber scheiß drauf. Der Schmerz vergeht, der Stolz bleibt!

Viel Spaß mit den Fotos und bis ganz bald,

Euer Laufmädchen.

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6 Gedanken zu “Das Laufmädchen beim Wings for Life World Run

  1. Wieder sehr emotional und ehrlich geschrieben. Ich finde es sehr schön, das für das Projekt und Deine Reise auf dem Camino, mit Michael und Paulinchen so viel gespendet wurde.
    Und Du hast Recht, dabei und irgendwie nicht dabei, das war das Motto vom gestrigen Lauf in Darmstadt. Ich bin wohl nicht der Beste Begleiter um jemanden über so eine Distanz noch mehr zu motivieren und abzulenken. Wenigstens konntest Du über meine Handynavigationskünste schimpfen, dass ist doch schon was. Du rockst den Vivawest, dass weiß ich und Du wirst mit Deinen Freunden, definitiv motivierendere Begleiter dabei haben als mit mir.

      • Danke Dir. Ich war auch sehr gerne dabei. Dein längster Lauf, die Premiere vorm Marathon! Und nun volle Energie vorraus….lächelnd und tänzelnd rockst Du das, da bin ich mir ganz sicher!

  2. Hi Katrin. Wieder mal ein schöner Bericht von Dir. Hatte gestern kurz die Gelegenheit den Run über Servus TV zu sehen? War echt schon beeindruckend das was da weltweit auf die Beine gestellt haben.
    Ich weiß, zu 100% das Du den 17.5 rocken wirst. So tapfer wie Du trainiert hast, kann das ja nur gut gehen.
    Grüße Christian

  3. Hay Katrin, wie immer sehr schön geschrieben und es hat mich gefreut das wir uns vor dem Wings for Life World Run kurz getroffen haben 🙂 Auch finde ich es klasse wie du dich seit 2 Jahren, was das Laufen betrifft, entwickelt hast! Von deinen ersten „tapsigen“ Schritten bis jetzt kurz vor dem ersten Marathon! Du packst das locker! Frankfurt laufen wir dann zusammen? 😉

  4. Hi Katrin,
    wieder mal ein toller Bericht von Dir. Es ist schon bemerkenswert wie Du Dein Ding durchziehst. Und trotz Catcher Car einfach weiterlaufen hat auch was 😀. Da bist Du jetzt aber perfekt auf den Vivawest vorbereitet. Man darf gespannt sein wie es uns „Marathon-Greenhorns“ so ergehen wird. Mach weiter so, ich bin gespannt auf weitere spannende Berichte von Dir.
    LG Thomas

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