Op andere Wegen in Nederland

Goedenavond,

heute möchte ich Euch von einem ganz besonderen und glücklichen Laufmädchen Tag berichten.

Einmal im Jahr findet direkt hinter der deutschen Grenze in dem niederländischen Städtchen namens Venlo der sogenannte VENLOOP satt.
Eine Sportveranstaltung, die nicht nur unzählige Läufer (ums genau zu sagen nämlich 25.000) mobilisiert, sondern auch die Bewohner der Stadtgemeinden in und um Venlo herum.

Ich habe in den letzten beiden Jahren nun wirklich schon viele – auch größere – Laufveranstaltungen besucht. Aber Venloop stellt für mich persönlich einfach alles in den Schatten.

Spätestens nach meinem Galway Race in Irland war ich ohnehin heiß darauf, mal wieder außerhalb von Deutschland in die Laufschühchen zu hüpfen. Einfach nur, um zu erleben, wie die Laufgemeinde so drauf ist und um andere reizvolle, unbekannte Laufstrecken zu erkunden. (Wenngleich es dafür nicht unbedingt ein offizieller Event sein müsste, ist klar.)

Gestartet sind wir am Sonntagmorgen in Oberhausen. Wir hatten über den OTV einen Bus gemietet, um entspannter und auch gemeinsam anzureisen.

Eigentlich sollte Venloop ein Kati und Katrin Laufmädchen Tag werden.
Aber ein zu lange anhaltender Arschlochhusten und Trainingsausfall verwehrte Kati die Teilnahme. Nun warten aber andere spannende (Lauf-) Events auf uns, die wir gemeinsam und mit weiteren Freunden rocken werden.

Man kann beim Venloop unterschiedliche Distanzen wählen. Wir hatten uns für die Halbmarathon Distanz entschieden. Da die Veranstaltung immer sehr schnell ausgebucht ist und Startplätze nur noch von angemeldeten Teilnehmern übertragen werden können, war das kein Problem, entsprechenden Ersatz für den Platz zu finden und jemand anders damit glücklich zu machen.

So kam es dann, dass ich ein liebes Nicole (B. + W.) Doppelpack an meiner Seite hatte. Ich kenne die Beiden schon seit langem durch die Facebook Runtastic Community. Nicole B. hat uns sogar Tücher in knalligem orange genäht, die man wahlweise wie ein Buff Tuch auf dem Kopf oder um den Hals tragen kann. Nochmals danke dafür. Hat sich toll angefühlt und wandert in die schöne bunte Laufmädchen Kollektion.
Und da mir 2 Nicole nicht reichten, packte ich auch noch eine weitere Nicole (I.) mit auf meine Anmeldeliste.
Wir haben uns erst vor wenigen Wochen bei einem 25km Brückenlauf (von Gelsenkirchen nach Bochum und zurück) kennen- und direkt mögen gelernt. Und wie es der Zufall so will, sind wir Stadtteilnachbarinnen.

Venloop (40)

Als männliche Unterstützung kam Sascha dazu. Mit ihm war ich letztes Jahr gemeinsam in Krombach bei der „Läufer des Jahres“ Gala und er hatte hier als Gastsblogger von seinem Untertage Halbmarathon berichtet.
Er hat den Venloop mit der Kamera begleitet und ich bin unheimlich gespannt auf das fertige Video.
Sascha macht übrigens auch andere spannende Dinge im Ruhrgebiet – z.B. Filmaufnahmen auf einer Halde.
Mit seiner Kamera ausgerüstet, fängt er unheimlich schöne visuelle Eindrücke ein, die in einem Zeitraffer Video einen 360Grad Rundumblick über die Gegend und das Wetterschauspiel geben.
Das Ganze wird dann unter „Eine Stunde, eine Runde“ auf YouTube veröffentlicht und gibt neue Perspektiven und tolle Einblicke in teilweise unbekannte Gebiete der Industriekultur.

In unserem Bus war natürlich ein großer Teil der OTV Truppe dabei. Inklusive meinem Trainer Robert und Physio Trainer Thorsten. Und natürlich war auch mein Marathon Kollege Christian mit am Start.
Er ist kurzfristig für unsere Vereinskollegin Carmen eingesprungen. Die ursprünglichen Namen standen jedoch immer noch auf der Startnummer.
Die Kombination von Carmen und Rooooobääääärt war natürlich auch an diesem Tag unschlagbar und verdammt lustig.

Nach einer knappen Stunde Fahrt kamen wir in Venlo an. Das Wetter war zu diesem Zeitpunkt nicht besonders kooperativ. Es war grau, kalt, windig, bäh. Da wir irgendwie mit der Logik der Shuttlebusse Pech hatten, mussten wir erstmal über eine Stunde warten, um zum Veranstaltungsgelände zu kommen. Die Schlange wurde immer länger und witziger Weise traf man so aber noch auf weitere bekannte Gesichter wie die Essener Bunert Gang. So fror und wartete man also gemeinsam. Schön und gut. Aber geteiltes Leid ist auch scheiße.

Irgendwann fanden wir dann alle wieder zueinander, ich verpasste zwar das Teamfoto, hatte Probleme mit der Orientierung vor Ort, aber stand dann doch irgendwann rechtzeitig im Startbereich. Frierend. Aufgeregt.

Startschuss. Zack. Sonne. Wurde auch mal Zeit, Fräulein!

Nach ca. 15 Minuten waren wir dann auch auf der Startmatte und los gings.

Nicole I. und ich wollten zusammenbleiben und bisken Gas geben. Meine Vereinskollegin Katharina und auch Christian wollten sich dranhängen und schauen obs passt.

Here we go: 21,1km – wir kommen.

Venlo ist eine übersichtliche Stadt mit 100.000 Einwohnern und ich hatte das Gefühl, dass wirklich jeder auf den Beinen war. Auf der kompletten Strecke wurde angefeuert, musiziert, abgeklatscht und gefeiert, als wäre Feiertag der deutsch-niederländischen Völkerverständigung. Grandios. Selbst die Nonnen der St. Martin waren am Tanzen und Anfeuern. Ein wortwörtlich tolles Bild für die Götter.

Es lief richtig gut. Die Pace pendelte sich bei 05:30min/km ein. Alles supi. Nicole und ich genossen diese riesengroße Laufparty in blau-weiß-orange! Sogar in Konfettibomben sind wir reingerannt.  Zwischenzeitlich gesellte sich auch Sascha mal dazu, der dann aber weiter zog.
Irgendwann kam dann auch Christian an uns ran, der dann bis zum Zieleinlauf konstant vor meiner Nase lief.

Beim Zieleinlauf waren sich meine GPS Uhr und die offizielle Venloop Wertung nicht einig. Auf der Veranstaltungsseite steht die Nettozeit von 2h:00min:07sek. Meine GPS Uhr zeigte unter 2h an.
Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich die 1 nicht gern so knapp davor gesehen hätte.

Aber ganz ehrlich – was bedeutet das schon?

Erst letzten Oktober habe ich überhaupt die 20km Distanz durchbrochen.
Ich bin meinen letzten Halbmarathon mit Tobias gemeinsam in 2h:15min gelaufen.
Das heißt, ich habe meine Bestzeit in wenigen Wochen um 15 Minuten verbessert.
Da heule ich sicherlich nicht rum. Im Gegenteil – ich bin mächtig stolz!
Ich hatte Spaß beim Laufen und habe mich nicht abgequält. Ich habe mich bis km10 zwar etwas selbst mit meiner Uhr gegeißelt, da ich nicht zu schnell laufen wollte, um hinten raus noch genug Kraft zu haben. Aber alles in allem habe ich auf mein Körpergefühl gehört. Als das Knie und die Wade zwickten, am Ende Tempo rausgenommen.

Fast alle Freunde, Bekannte und OTVler sind an diesem Tag Bestzeit gelaufen. Vor allem bin ich mächtig stolz auf Christian. Das hast Du ganz toll gemacht. Und außerdem hast Du dafür gesorgt, dass ich nicht erfrier. Von Herzen Danke für den grandiosen Jacken- und Oreo Keks Service!

Ich werde nächstes Jahr definitiv wieder in Venlo dabei sein. Vorausgesetzt, ich bleibe gesund und habe weiterhin so viel Freude am Laufsport.

Venloop (41)

Bis zum 17. Mai gehe ich auch weiterhin motiviert, engagiert und diszipliniert meinem Trainingsplan nach.
Das Laufpensum liegt mittlerweile bei 60km pro Woche und ich mache vor allem beim Schwimmen massive Fortschritte. Auch die anderen Einheiten wie matschige Bike Ausflüge mit meinem OTV Kollegen Jens oder Zumba- und Schwimmsessions mit Kati bereiten wir unheimlich viel Freude.

Mittlerweile habe ich allerdings ein anderes Bewusstsein für meinen sportlichen Weg und vor allem Alltag entwickelt. Ich habe meine Übermotivation und mitunter bereits entstandene sportliche Verbissenheit abgelegt.

Augenscheinlich gibt es natürlich ein großes sportliches Ziel: 42,195 km. Die gilt es, im Mai durchlaufen zu können und dann die erste Olympische Triathlon Distanz zu überstehen.

Aber ist es nicht eher der eigentliche Weg, und nicht das Ziel, den ich wertschätzen sollte?

Jede einzelne Trainingseinheit – egal ob mit jemandem zusammen oder alleine – ist etwas, was mir gut tut und mich glücklich macht. Ich möchte nicht stumpf einem fremdgesteuerten Task Plan hinterherhecheln und mich selbst dabei oder darin verlieren. Und wenn ich abends lieber Lust habe, mit meiner Freundin in Köln um die veganen Falafel Buden und Literaturfeste zu ziehen, dann fällt das Training abends eben auch mal aus und wird nicht auf Krampf noch gegen 23 Uhr durchgeprügelt. Denn ich möchte Freude dabei haben. Im täglichen Training und speziell an solchen Tagen wie in Venlo. Ich möchte mich nicht mit anderen messen müssen, außer vielleicht an und mit mir selbst.

Vielen Dank an die Menschen, mit denen ich diesen Tag verleben durfte.

Und lieben Dank an die Menschen, die mir aus der Ferne für diesen Sonntag liebe Worte zugesprochen und an mich gedacht haben.

Egal ob es motivierende Worte aus Niederstetten, Frankfurt & Heilbronn oder (Lauf-) Mädchengrüße aus Essen, Leipzig & Speyer waren. An solchen Tagen ist es besonders schön, Euch im Herzen zu tragen und in Gedanken am Wegesrand zu sehen. Ihr gebt mir Kraft, Mut und letztendlich in den Momenten Glauben an mich selbst, wenn ich mal wieder zweifle. Danke, dass es Euch gibt!

Für weitere visuelle Eindrücke gibt es viele Fotos von Runner’s World und ein wundervolles Video vom Veranstalter.
Darauf kann man die Stimmung drumherum etwas besser greifen, als das man das als Läufer selbst dokumentieren könnte.

Und von mir persönlich einen musikalischen Gruß, weil sich das Leben jeden Tag von heute oder morgen ändern kann.

Positiv oder negativ.

Es kommt immer, wie es kommt. Und dann machen wir einfach das Beste draus.

Tot ziens!

Eure Katrin

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2 Gedanken zu “Op andere Wegen in Nederland

  1. Ganz toll geschrieben liebe Katrin. Und danke noch mal an Kati, die mir das erst ermöglicht hat. Ich hoffe, ich kann sie beim Vivawest dafür einmal knuddeln…weil ich weiß, dass sie selbst gerne gelaufen wäre. Und ich hoffe, dass Tuch begleitet dich noch lange….Die Farben sind gute Laune Farben….also genau das richtige für dich 🙂

  2. Ein sehr schöner und authentischer Bericht! Hätte ich das gewusst, dass Du mir so nah auf den Fersen bist hätte ich Dich unter die 2std Marke gezogen!
    War wirklich eine super Veranstaltung mit tollen Ergebnissen für uns alle!
    Jetzt arbeiten wir beide weiter hart an unseren gemeinsamen Ziel! Bin mir mittlerweile sicher das wir das auch packen werden..,
    Mach weiter so bist auf einen sehr guten Weg!

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