Laufmädchen und im Herzen Peter Pan

Die schönsten Wege sind noch immer die Umwege und die ohne Plan.

Gesagt. Gelaufen. Geschwommen. Geradelt.

Anfang des Monats machte ich mich aus beruflichen Gründen auf den Weg nach München.
Meinen Trainingsplan und mich interessiert es nicht, wo wir gerade sind.
Also packte ich mein Speedbike Willi mit ins Auto und die Schwimmsachen und das Laufequipment mit in meinen kleinen Businesskasper Koffer.
Es standen IT Konferenzen an, die am Vormittag beginnen und abends enden sollten.

Da ich mich mittlerweile an diverse Frühvogel Sporteinheiten gewöhnt habe und meinen Popo auch weiterhin hoch motiviert, zu scheinbar unmenschlichen Uhrzeiten, aus dem Bett bekomme, wollte ich München in meinen geliebten Triathlon Disziplinen erkunden.
Einen richtigen Plan hatte ich dafür nicht – aber das braucht man ja auch nicht unbedingt. Lediglich das Schwimmbad hatte ich vorher ausgesucht, denn es sollte eine 50m Bahn haben. Also fiel meine Wahl auf das Schwimmzentrum im Olympiapark.
Von einem früheren Fußballspiel im alten Stadion hatte ich noch ganz dunkel in Erinnerung, dass es dort etwas grün war.
Also tippte ich dies als Ziel ins Navi und düste los.

Als ich in meinen Laufschuhen unterwegs war, wurde ich sofort unheimlich mit Sonne verwöhnt. Keine Wolke war am Himmel und ich spürte kaum einen Windhauch. Traumhaft.
Mit meiner Lieblingsherzmusik von Max Herre, Maxim und Casper auf den Ohren genoss ich jeden Bodenkontakt. Meter für Meter.
Die Laufmädchen Schuhe wussten an diesem Tag nicht, wohin uns die Füße tragen sollten, also riskierte ich einen kurzen Blick auf das Hinweisschild des Radweges. Die Richtung war eigentlich egal.
An solchen Lauftagen habe ich immer ein Handy und etwas Bargeld an der Frau. Wenn man sich mal verläuft oder nicht zurückfindet, kann man sich über Google Maps orientieren und kommt gegebenenfalls mit den öffentlichen Verkehrsmitteln wieder zum Ausgangspunkt zurück. Man sollte nur drauf achten, dass der Akku voll ist. Wenn man darüber auch Musik laufen lässt, kann das ab einer Distanz von 20km sonst recht knapp werden.

„Nymphenburg – 3,5 km“. Ach, das klingt spannend – also weiter dort entlang.
Vorbei an einem kleinen Bach, durch eine schicke alte Wohnsiedlung und auf einmal lief ich direkt auf ein imposantes Burggelände zu.
Ich war überwältigt von diesem Anblick. Wer dort selbst schon mal war, weiß sicherlich was ich meine. Alle anderen könnten anhand der Fotos vielleicht eine Idee davon bekommen.
Vor der Burg ist eine Art Rundbogen – durchzogen von Wasser, Wiesen und Hecken. Wow.
Vor dem Haupteingang sah ich, dass es hinter dieser Burg eine riesige Gartenanlage gibt. Die Tore kann man ohne Eintritt direkt passieren. Dieser Anblick ließ mein Herz noch höher hüpfen und ich inhalierte diese grüne und gefühlt Unendlichkeit der Natur.

Und da wusste ich: ich habe alles richtig gemacht. Ich habe einfach so diesen wunderbaren Ort entdeckt und das machte mich richtig glücklich!

Ich bin dann noch einige Wege in den Park gelaufen, machte dann aber wieder eine Schleife zurück Richtung Olympiapark. Denn leider hatte ich nicht so viel Zeit, um dort alles zu erkunden. Denn da sammelt man insgesamt locker 15-20km. Ich war ja nicht ausschließlich zum Vergnügen in München, sondern um zu arbeiten.

Nach 11 richtig tollen Kilometern stand ich vor dem Olympia Schwimmzentrum.
Dort habe ich dann noch ein paar Technikübungen gemacht und bin gemütlich einen Kilometer geschwommen.
Darauf folgten eine Turbodusch- und eine Dualföneinheit.

Den Vormittag verbrachte ich dann (dank unserer zeitgemäßen und flexiblen Arbeitsplatzstrategie) im Starbucks und mittags ging es zum offiziellen beruflichen Part.

Am Folgetag habe ich vor dem Hotelfrühstück die Gegend übrigens noch mal erkundet. Diesmal mit Willi.
Das Wetter war nicht ganz so schön wie am Vortag, aber das tat meinem Erkundungsdrang und meiner guten Laune keinen Abbruch.
Willi und ich düsten noch mal durch die Olympiapark Anlage und ich wollte unbedingt weiter diesen Park erkunden. Und das taten wir auch.
Nach der Tour habe ich mit Erschrecken festgestellt, dass man in diese Anlage gar nicht mit, geschweige denn auf einem Fahrrad betreten darf. Huch!

Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass ich Willi dabei hatte.
Ich bin erst nachts wieder in Essen zurück gewesen und habe aus Bequemlichkeit mein Bike (auseinandergebaut und abgedeckt) im Auto gelassen.
In dieser Nacht wurde in unseren Keller eingebrochen und es wurden alle Räder geklaut. Inklusive meinem Mountainbike Käthe.
Hätte ich Willi wieder reingebracht, wäre ich jetzt nicht nur ratlos sondern auch komplett radlos.

Ich trauere immer noch und gebe die Hoffnung nicht so schnell auf, dass die Polizei das irgendwo findet.
Neues Rad hin oder her.
Ihr könnt Euch ja sicherlich denken, dass hinter solchen komischen Namen unersetzbare ideelle Werte stehen.

Ernährungstechnisch lief es in München eher so rund wie ein Dreieck.
Man könnte es auch als Himmel und Hölle zugleich bezeichnen.

Montagabend wurde ich noch von einem lieben Freund und seinem Schatz lecker bekocht (Spaghetti mit Nusstomatensauce) und der Tag darauf wurde ein absolutes Desaster.

Das Frühstück habe ich mir ja noch selbst organisieren können.
Außerdem habe ich zu solchen Events sicherheitshalber immer etwas in der Tasche.
Aber nicht für 2 komplette Mahlzeiten.
Ein kleiner Aufstrich, ein Brötchen und etwas Obst haben es an diesem Tag in die Handtasche geschafft.
Da kann ich echt froh sein, dass ich es da „typisch frau“ á la 3ZKB handhabe.
Denn auch ich könnte damit auswandern und eine Weile überleben.

Auf beiden Veranstaltungstagen gab es ein externes Catering und absolut nichts Veganes.
Nicht mal ein bisschen. Kein Salatbuffet oder frisches Obst.
Nichts. Nada. Niente.
Verhungern sollten sie, die Pflanzenfresser.

Der ein oder andere Cateringmitarbeiter hat sich sicherlich gedacht, dass ich mich nicht so anstellen soll.
Und tat das auch lauthals kund. „Das bisschen Butter macht ja nix. Und hier so paar Scampi. Und das Tier hier ist ja schließlich schon tot. Muss man ja jetzt quasi eh alles essen.“

Jawoll, Du Butterbirne!
Du darfst mir gern die Haare halten, wenn ich mich nach dem Verzehr dessen auf der Toilette übergebe.
Denn ja, es gibt tatsächlich Menschen, die all diesen Kram nicht vertragen und auch sonst nicht essen möchten.

Mir ist bewusst, dass es unheimlich schwierig ist, auf solchen Events für alle Ernährungstypen etwas bereitzustellen.
Aber ich muss gestehen, dass ich es selbst als Vegetarier nicht gut gefunden hätte.
Salate wurden ganz hipp und modern in kleinen Gläschen serviert. Auf Jedem war entweder Fleisch (und zwar richtig viel) oder Fisch.
Ob es daran liegt, dass ich in einer männerlastigen Branche arbeite und es deshalb darauf ausgerichtet war?
Denn selbst bei den Simpsons lernten wir schon vor langer Zeit „man findet keine Freunde mit Sa-la-at“.

Völlig ausgehungert checkte ich gegen 22 Uhr in das Münchner City Hotel ein.
Ohne große Hoffnung habe ich mich vorsorglich schon mal informiert, ob ich eine Chance habe, beim Frühstück etwas zu finden.
Nachdem der nette Hotelmitarbeiter genauer nachfragte, was dies denn alles ausschließt, versicherte er mir, etwas für mich vorzubereiten.
„So so“ dachte ich. „So so“ sagte ich.

Bevor ich mich ins Zimmer verabschiedete, begab ich mich noch mal auf Nahrungssuche.
Denn ich hatte stundenlang nichts gegessen und wollte vor dem Frühstück körperlich ja zu etwas in der Lage sein.
Außerdem wusste ich nicht, was mich zu dem Frühstück überhaupt erwarten würde.

München – wieso machen in einer Weltmetropole wie Dir die Supermärkte alle um 20 Uhr zu?
Ich bin mittlerweile so ein verwöhntes Großstadtkind geworden, dass ich naiv davon ausgegangen bin, dass man hier bis 22 Uhr (oder wie hier in Essen auch bis 24 Uhr) noch irgendwo was einkaufen kann.
Aber das war nicht der Fall.
Selbst in einem Subway, der bis 23 Uhr geöffnet hat – gab es nur noch eine nicht vegane Brotsorte. Menno!
Keine Chance also noch etwas Gemüse, Brot oder Obst für den nächsten Tag zu bunkern. Doppelmenno.

Aber dann erschien mir tatsächlich noch ein kleines Licht am Ende des Tunnels: in Form einer Imbiss Leuchtreklame schräg gegenüber des Hotels.
Ein kleiner arabischer Laden, der von außen und dann später auch von innen ganz nett aussah.

Der freundliche Besitzer schaute mich erstmal etwas verdutzt an.
Eine ausgehungerte Frau stand 22:30 Uhr in ihrem IT Girl Businesskostümchen im Laden und fragte direkt ganz ungeduldig, ob die Falafelbällchen ohne Ei sind und was der Herr sonst so in seinem Laden in „vegan, also rein pflanzlich“ zu bieten hätte.
Dann legte er los und erzählte, was er alles für mich zubereiten könnte.
Am liebsten hätte ich gebrüllt – „alles auf einmal in extragroß zum hieressen und bitte sofort“.
Okay, ich gebe zu, das kam meiner tatsächlichen Bestellung auch sehr nah.

Er bastelte mir dann einen riesengroßen Raupenteller mit Kartoffeln, Salat, Humus und selbstgemachten Kichererbsenbällchen.
In meinem Kopf sang ich noch am Folgetag „last night a Falafelmann saved my life“.
Die Verabschiedung werde ich nicht so schnell vergessen.
Ich gab meinen leeren Teller ab und beim Bezahlen grinste er und meinte „Du hattest wirklich großen Hunger oder?“
Wenn der wüsste….

Am nächsten Morgen überraschte mich dann das Hotel.
Der Mitarbeiter hielt tatsächlich sein Wort und erkannte mich auch direkt, als ich in den Frühstücksbereich kam.
Er bat mich, mich zu setzen, er käme sofort zu mir. Und dann haute er mich um.

Er brachte einen großen Teller mit frisch aufgeschnittenem Gemüse, einer komplett angerichtete Avocado mit Zitrone, extra abgepacktem Vollkornbrot und eine Karaffe voller Sojamilch.
Am Buffet gab es dann auch frisches Obst oder Obstsalat und veganes Müsli.
Ich war überrascht, überwältigt und wirklich unheimlich glücklich darüber, nach dem Tag davor, so eine positive Erfahrung zu machen.

Über den Tag hinweg hatte ich wieder die gleichen Probleme wie am Vortag.
Diesmal hatte ich aber zumindest einen kleinen Kiosk entdeckt und eroberte einen Obstsalat, Oreo Kekse (ja, die sind vegan) und ein paar Chili Cashewnüsse. Das war dann okay.

Da es an dem Abend auch wieder Richtung Essen ging, habe ich an einer Raststätte noch einen großen Salat gegessen und auch einen Coffee Fellows entdeckt.
Das ist eine Kaffeekette, ähnlich wie Starbucks, die Sojamilch bereithält.

Als Weltenbummlerin war dieser Trip wirklich toll und erfahrungsreich.
Aber ich empfand es diesmal wirklich unheimlich stressig und regelrecht nervig, dafür Sorge zu tragen, nicht zu verhungern und mich dabei auch noch sinnvoll zu ernähren.

Sicherlich mag sich der eine oder andere fragen, warum ich mir sowas antue. Vielleicht wirken solche Erlebnisse auch abschreckend.
Aber ich für meinen Teil habe aus diesen Tagen gelernt.
Das nächste Mal packe ich mir ganz Familienmutti like eine eigene Tupperparty Kollektion zusammen.

Bis ganz bald Ihr Lieben, dann berichte ich Euch von meinen letzten Lauferlebnissen im Ruhrpott und es gibt ein Update zum Projekt Paulinchens Jakobsweg.

In 18 Tagen beginnt mein spanisches Abenteuer schon.

Euer Laufmädchen!

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3 Gedanken zu “Laufmädchen und im Herzen Peter Pan

  1. Seitdem ich hier bin, rege ich mich über die Ladenöffnungszeiten in dieser „Metropole“ auf. Bei mir hättest du weniger Glück gehabt: der Döner-Mann macht auch so gegen 20 Uhr zu!

    Das mit dem Catering ist echt blöde, als Vegetarierin leide ich mit. Das mit Käthe ist nicht nur blöd, sondern richtig sch**** und ich drück dir die Daumen, dass die Gute wieder auftaucht.

    Wenn du das nächste Mal in der Gegend bist, kannste gerne auf nen Kaffee rum kommen. (Und eine Portion veganes Curry hab ich meistens auch in der Tiefkühltruhe 😉 )

    Liebe Grüße auss’m Süden
    Lena

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