Die Laufmädchen Leistungsdiagnostik

Oder auch:

Wie sich mein Mut ein Fahrrad aus Zweifeln baute und auf ihm davon fuhr…

Letzte Woche habe ich eine Leistungsdiagnostik gemacht. Sicherlich fragen sich einige von Euch, wieso man so etwas macht oder auch was das genau bedeutet. Das möchte ich in diesem Blogpost kurz erklären und von meinen persönlichen Ergebnissen berichten.

Ich laufe nun wortwörtlich in mein 3. Laufjahr. Angefangen habe ich eigentlich quasi allein. Ohne Trainer. Ohne Plan. Ohne Verein.
Nur meine Runtastic App aufm Smartphone, ein Audible Hörbuch Abo und meine Beine.
Geachtet habe ich dabei auf mein Wohlbefinden. Auf die Distanz und die Zeit.
Viel zu selten bin ich mit meinem lieben Kollegen Marius nach der Arbeit oder meiner Freundin Jenni gemeinsam unterwegs gewesen.
Laufen fanden die anderen irgendwie immer doof oder hatten aufgrund von Job, Familie etc. keine Zeit.
Während dieser – nennen wir es mal -„Trainingsphase“, konnte ich mich langsam steigern. Ich wurde schneller, lief längere Distanzen, überquerte bei Firmenlauf Events stets als erste Frau das Ziel und fand das schon ganz prima. Mir ging es dabei stets gut, ich hatte keinerlei körperliche Beschwerden und habe mich so langsam und alleine an die knapp 30 Kilometer rangetastet.
Dagegen spricht grundsätzlich auch absolut nichts. Ich bin gesund und stets dort angekommen wo ich hinwollte. Denn die Ziele, die ich mir gesteckt habe, waren nie wirklich hoch, aber realistisch.

Vor einem Jahr habe ich die Runtastic App dann (nicht zuletzt wegen der Ungenauigkeit und dem Smartphonerumgeschleife) gegen eine Garmin GPS Uhr mit Herzfrequenzmesser getauscht. Die Uhr begleitet mich seitdem bei jedem Lauf. Der Gurt lag in der Schublade. Ich wollte mich nicht beirren lassen. Denn das Einzige, was ich bislang wirklich immer ignoriert habe, ist mein Puls.

Den ersten Denkanstoß erhielt ich von meinem geschätzten Lauffreund Mike. Er ermahnte nicht zuletzt auch in seiner Kolumne, den Gurt anzulegen. Jahaha, Du hattest Recht. KolumnenKlugscheißerKleiß!

Nun lautet mein großes Ziel: MARATHON. Da macht es durchaus Sinn, im Vorfeld mal zu schauen, wo man genau steht und was der Puls dabei so macht. Außerdem sollte man sich bewusst sein, dass man seinem Körper 42,195 Kilometer und bei mir dann (wenn alles klappt) 4 Stunden und 29 Minuten volle Belastung zumutet. Das ist echt ne Hausnummer.

Ich habe früher schon oft Trainingspläne im Internet oder in Laufbüchern gesehen. Dort steht nicht zwingend immer die Distanz und Zeit im Vordergrund, sondern der Zielpuls. Von diesen Pulsbereichen gibt es mehrere – und diese sind bei jedem anders und somit individuell gelagert. Deshalb verstand ich nie, wie solche pauschalisierten Pläne genutzt werden können.

Man unterscheidet in diesen Stufen: Regeneration / Grundlagenausdauer 1 (GA1) / Grundlagenausdauer 2 (GA2) / Entwicklungsbereich / Maximale Belastung.

In jeder dieser unterschiedlichen Phasen verhält sich der Körper anders. Die Energiebereitstellung kommt aus unterschiedlichen Quellen, die Sauerstoffaufnahme ist anders und die Wirkung auf unser Herz-Kreislauf System. Die Energiegewinnung erfolgt im GA1 Bereich zum Beispiel durch die Fettverbrennung und im Entwicklungsbereich größtenteils aus Kohlehydraten.

Diese Phasen werden bei einer Leistungsdiagnostik mit den individuellen Pulsbereichen versehen. Somit weiß ich, in welcher Phase ich mich bei Puls x aufhalte.

Wenn ich beispielsweise im sogenannten GA2 Bereiche laufe und jemand zeitgleich mit mir, dann kann mein Puls bei 160 und seiner bei 120 liegen. Und sein Puls kann sich im Regenerationsumfeld tummeln.

Meine Leistungsdiagnostik habe ich bei Bewegungsfelder in Essen bei mir um die Ecke durchführen lassen. Einige aus meiner Lauf- und Rad Community hatten mir im Vorfeld schon von ihren Erfahrungen berichtet und eine klare Empfehlung ausgesprochen.

Im Vorfeld musste ich einen recht umfangreichen Anamnese Bogen ausfüllen, meine usseligen Laufschuhe von verdammt viel Waldlaufschmotter befreien und durfte 2h vorher nichts essen.

Als ich in den Räumlichkeiten eintrudelte, wurde ich wirklich sehr nett begrüßt und zog mich erstmal um. Im Laufmädchen Outfit begrüßt mich dann auch Nicolas Erlemann. Er führt jetzt gleich die Diagnostik mit mir durch. Noch nen schicken Polar Pulsgurt unters Shirt, ab auf die Waage und los geht’s.

Ich war ziemlich nervös. Ziemlich dolle. Allein mein Ruhepuls schoss in die Decke. Vor allem wenn ich an die Darth Vader Maske dachte, die da gleich in mein Gesicht springen wird. Auch wenn Nico versucht hat, mir die Angst zu nehmen – die Grundspannung blieb.

Ich kenne solche Tests von früher – aber nur mittels Laktatwerten. Laktat (das Salz der Milchsäure) gilt als ein Indikator für körperliche Leistungsfähigkeit. Aber da wird einem nur ins Ohr gepiekst. Thats it.

Diesmal stand eine sogenannte Spiroergometrie an. Hierbei wird zusätzlich unter Belastung eine Atemgasanalyse durchgeführt. Damit kann man dann zum Beispiel die genauen Pulsfrequenzen, maximale Sauerstoffaufnahme und Kohlendioxydabgabe ermitteln. Denn nur so kann man dann genau die Trainingsbereiche (Reg / GA1 usw…) bestimmen.

Nachdem die Vorbereitungen soweit abgeschlossen waren, stülpte Nico mir die Maske auf – verbunden mit jeweils 3 Schläuchen und parkte mich schon mal auf dem Laufband.
Bevor das allerdings angestellt wurde, wurde im Ruhezustand ein Lungentest gemacht.
Einatmen – Ausatmen. Sauerstoff rein – Kohlendioxyd raus. Dabei konnte er auf seinem Monitor genau sehen, wie die Sauerstoffaufnahme und die CO2 Abgabe war.
Endlich kommt mir mal mein Bio LK zugute, auch wenn es schon paar Jahre her ist. Wenn man die maximale Sauerstoffaufnahme betrachtet, dann wird das als VO2max Wert bezeichnet. Dieser Wert gibt an, wie viele Milliliter Sauerstoff mein Körper bei Belastung maximal pro Minute verwerten kann. Grundsätzlich kann man sagen, dass man anhand dieses Wertes die Ausdauerleistungsfähigkeit eines Sportlers bemessen könnte. Betrachtet werden muss dabei auch noch Größe und Gewicht – deshalb wurden diese Parameter entsprechend berücksichtigt.

Und genau dann fing mein persönliches kleines Drama an. Die Werte waren so kacke, dass Nico den Test 3 mal wiederholte und mir empfohlen hat, einen Pulmologen, also Lungenfacharzt aufzusuchen und dies abzuklären. Denn diese Werte entsprechen nicht der Norm, nicht meiner sportlichen Leistung und meinem bisherigen subjektivem Leistungsniveau.

Das verwirrte Laufmädchen verstand die Welt nicht mehr…. wie – meine Lunge? Aber aber aber….

Mein letzter Lungenfunktionstest war 2014. Bei diesem Test wurde aber in erster Linie lediglich das Volumen untersucht. Dieser Test war super.

Ich hatte als Kind schlimmes Bronchialasthma und habe meinen Eltern damit jahrelang wirklich viele Sorgen bereitet. Ich kannte alle Krankenschwestern von Station 8 des städtischen Krankenhauses mit Vornamen, sah meinen Lungenarzt viel zu oft, obwohl ich ihn und seine Scheiß Atemtest „Telefonzelle“ immer zum Kotzen fand und wurde mit 11 Jahren aus der 2. Klasse herausgerissen und wochenlang im Winter (über meinen 12. Geburtstag) an die Ostsee zur Kur geschickt.

Irgendwann später wurde es besser und ich hatte seit meinem 14. Lebensjahr keinerlei Einschränkungen oder Beschwerden mehr. Auch jetzt habe ich keine Probleme. Weder im Ruhe- noch im Belastungszustand. Selbst meine doofe Nussallergie hab ich desensibilisiert bekommen und seit meiner Ernährungsumstellung bin ich alle anderen Allergien und meinen Heuschnupfen los.

In dem Moment als Nico mir signalisierte, dass meine Gasaustauschwerte nicht so der Knaller sind, sah ich mich wieder als kleines blondes Mädchen auf dem Sportplatz heulend, weil sie nicht mit rennen darf. Kopfkino. Bühne frei. Vorhang auf. Bitteschön.

Dann ging es mit dem eigentlichen Test los. War schon mal n prima Einstieg.
Nico steigerte ab 5 km/h in 1 bzw 2 Minuten Intervallen die Intensität – und packte jeweils 1 % Steigung und 1 km/h Pace drauf.
Bei 9 % Steigung und 9km/h fand ich das echt richtig fies. N Berg, diese doofe ungewohnte Maske und mein Kopfkino. Prima Kombination.

So bescheuert es sich anfühlte, sah es auch aus:

2015-02-05 18.26.02

Das war nicht mein Abend. Nicht mein Tag.

Nach ca. 15 Minuten war meine persönliche Laufband Odyssee für mich vorbei. Kurz duschen und danach noch mal zusammensetzen. Die Lungengeschichte ließ mich nicht los. Bitte bitte lass mich gesund sein und diesen Marathon laufen dürfen.

Nico, und später auch Stephan (der Chef himself) nahmen sich noch einige Minuten Zeit, um mit mir über meine Ergebnisse zu sprechen.
Die Lungenwerte seien zwar schlecht, aber nicht lebensbedrohlich oder gefährlich. Muss man abklären lassen. So will I!

Danach sind wir meine persönlichen Trainingsbereiche durchgegangen. Man kann erkennen, dass ich schon eine gute Grundlage habe, an der ich nun gezielt weiter ansetzen kann.  Das bedeutet konkret, dass ich vor allem bei meinen langen Laufeinheiten darauf achten muss, den Puls unter 140 zu halten.

Das habe ich heute (allerdings auf flacher Strecke) getestet – klappt prima – sogar bei einer Pace von knapp unter 10 km/h. Yeah. Damit bin ich im GA 1 Bereich und sogenannten aeroben Bereich. Das ist das optimale Herz-Kreislauf-Training und die Energie kommt aus der Fettverbrennung.

Also: Wer länger langsam läuft, wird automatisch irgendwann schneller!

Jeder erfahrene Läufer und Trainer hat mir das bestätigt. Also halte ich mich jetzt brav daran. Versprochen!

Am Folgetag des Tests habe ich natürlich direkt versucht, einen Termin beim Pulmologen zu bekommen. Vor Mai geht da gar nichts. Da ich hier noch nicht lange wohne, bin ich überall eine neue Patientin.

Also bin ich erstmal zu meiner Hausärztin, die mich auch endokrinologisch betreut. Denn ich habe das Hashimoto Syndrom, eine Autoimmunkrankheit der Schilddrüse, die bei mir im Stadium der Unterfunktion angekommen ist. Das ist aber nicht so dramatisch. Ich nehme jeden Morgen eine Tablette, die mir das zuführt, was ich selbst körpereigen nicht produzieren kann. Nur so ist ein ausgewogener Stoffwechsel zu gewährleisten.

Meine Ärztin äußerte sich erstmal sehr kritisch gegenüber solchen „Einrichtungen“ wie Bewegungsfelder. Sie ist der Meinung, dass man ganzheitlich betreut werden müsste, vor allem nach so einer Diagnostik – eben auch komplett medizinisch. Aber nun gut.

Sie hörte die Lunge ab – passt alles. Blutdruck gemessen – wie immer im unteren Normbereich. Und dann ab zum Lungenfunktionstest.

Vitalkapazität: 106 % (Lungenvolumen von max. Einatmung bis max. Ausatmung)
Atemzugvolumen: 120 % (Lungenvolumen bei normaler Ein- und Ausatmung)

Das sind gute Werte.  Meine Ärztin war zufrieden. Ich erleichtert.
Nun bemühe ich mich durch Unterstützung von Nico um einen weiteren Arzttermin. Dort werden dann ausführliche Tests gemacht.

Meine analysierten Werte können verschiedene Ursachen haben. Entweder hab ich ne miserable Veranlagung, eine unbekannte Allergie oder tatsächlich eine Gasaustausch Störung. Vielleicht bahnt sich aber auch ein Infekt an, von dem ich nichts spüre bislang. Denn komischerweise ist heute der rechte Lymphknoten am Hals angeschwollen.

Nach vielen Gesprächen, etwas Schlaf und ganz viel Schwamm drüber ist das Zweifelfahrrad wieder verbannt.
Nicht zuletzt dank der lieben Worten von Freunden und meinen Trainern. Ich hab mich wieder gesammelt und will auch gar nicht jammern.
Letztendlich weiß ich jetzt erstmal woran ich arbeiten kann.

Mein neuer Trainingsplan startet am Montag mit ganz tollen Einheiten und einem sehr fordernden Lauf – Rad – Schwimm – Stabi – Zumba Mix.
Und das mit meiner Lunge wird sich sicherlich bald beim Arzt aufklären.

Wichtig ist, das Volumen ist top, mir geht’s gut, ich bin grundsätzlich gesund und es wird mich nichts daran hindern, am 17. Mai auf dem Asphalt des Ruhrgebietes meinen ersten Marathon zu rocken.

Ich freue mich auf die nächsten 99 Tage, die bis dahin noch vor mir liegen.

Lieben Dank an Nico und Stephan – wir sehen uns ja dann ganz bald wieder!

Bis Montag,

Euer Laufmädchen

Advertisements

6 Gedanken zu “Die Laufmädchen Leistungsdiagnostik

  1. ui…erst einmal schlucken…aber wie du sagst, dir geht es gut. Du fühlst dich wohl….deine Hausärztin sagt auch „alles gut“….klar solltest du es noch einmal abchecken lassen, aber vielleicht löst sich alles auch einfach nur so auf…..du rockst das Ding – da bin ich mir sicher….

  2. Hi Katrin.
    Da hast Du ja am Donnerstag ein Ba der Gefühle und Spannungen erlebt!
    Wenn auch am Anfang nicht mit dem Ausgang den Du Dir erhofft hast !
    Ging mir bei meiner Diagnostik ähnlich.
    Wichtig ist nur das was Ende zählt und da steht! Nämlich Deine Finisher Medaille am 17. Mai um Deinen Hals!!
    Bis dahin wirst Du sicherlich auch weitere Rückschläge erleben! Wahrscheinlich auch bei km 30 am besagten 17.05.2015
    Einfach nie aufgeben und nach vorne schauen!
    Und so ist es auch am Donnerstag gewesen. Sicherlich ein heftiger Rückschlag, aber besser so als wenn was schlimmeres passiert. Jetzt hast Du ja die Gewissheit, dass mit Deiner Lunge alles ok ist und Dein Bauchgefühl gab Dir Recht!
    Mach weiter so und Du wirst Dein großes Ziel erreichen! Habe bereits im letzten Kommentdas geschrieben aber es passt so schön:
    Believe youself ! 💪

  3. Hi Laufmädchen – na Katrin!

    Ich finde es sehr gut was Du machst. Also nicht nur der Blog hier, sondern auch wie Du an Deine Ziele heran gehst.
    Dieses „blauäugige Starten“, dass habe auch ich durch. Fast 1,5 Jahre lang ging ich einfach raus und bin gelaufen. Ich fühlte mich gut, ich lief länger, schneller und wurde wirklich besser. Aber irgendwann blieb ich auf der Strecke, es zwickte hier und da und da wurde mir klar, anders oder niemals mehr…
    Ich habe mit einem kleinen Schritt angefangen, ich wurde Lauftrefftrainer. Nun ging ja auch ich dieses Jahr den Schritt der Leistungsdiagnostik und auch ich war danach aufgewacht.

    Deine Ziele, sind stets erreichbar und diese Ziele hast Du bisher auch immer erreicht. Nun steht das Ziel 2015, ein Marathon an. Da gibt es Schritte nach vorn und ab und an auch kleine zurück. Gute Tage und weniger Gute… Aber eines, dass musst Du Dir immer vor Augen halten:

    – Jeder Schritt zurück, macht Dich stärker und bringt Dich Zwei Schritte näher an Dein Ziel. –

    Aber auch die weiteren Ziele die Du bereits verfolgst, wirst Du erreichen. Mit Mut, Kraft, Energie, Freunden und Deiner positiven Lebenseinstellung. bleib wie Du bist, dann wirst du alles schaffen was du willst

  4. Interessanter Bericht Kathrin. Da habe ich gleich ein schlechtes Gewissen am 17.05. viel schlechter vorbereitet und untersucht in den 42,195 lange währenden Kampf zu gehen.
    Aber Deine Ausführungen, was Deinen Trainingsplan angeht, waren wirklich sehr interessant.
    Mach weiter so, sowohl auf der Strecke, als auch hier im Blog 😉

    Gruß
    Thomas

    • Hallo Thomas, dankeschön!
      Wir werden beide erfolgreich ins Ziel laufen. Immerhin warten die anderen dort alle auf uns um mit uns danach n leckeres Bierchen zu zischen 🙂
      ich hoffe wir sehen uns bald mal auf einen der langen Läufe mit Nicole und Co. Bis dahin fröhliches Trainieren und bleib gesund!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s