Ein dankbares Laufmädchen und Sascha beim Untertage-Halbmarathon in Thüringen

Hallo Ihr Lieben,

bevor es den heutigen Beitrag zu lesen gibt, mag ich ganz kurz ein bisschen sentimental sein.

Tausend Dank für Euer grandioses und liebes Feedback zu „Bier, Brot & Baldeneysee“.
Durch die Verlinkung von laufen.de und diversen Shares in Facebook Gruppen / Profilen habe ich einen absoluten Klick- und Leserekord erreicht.
Es haben sich dadurch viele Weiterentwicklungsmöglichkeiten ergeben, von denen ich bald berichte.
Außerdem hat mich einer meiner beiden Laufhelden gefunden und ich drehe nächste Woche sogar ein Wiederholungsründchen mit ihm. Diesmal ohne Berg – dafür im Kölner Stadtwald.

Danke für all die lieben Nachrichten. Ich freue mich über jedes einzelne nette, gern auch kritische & konstruktive Wort wirklich von ganzem Herzen.
Ja, Mama, ich weiß, es heißt DAS Event und nicht DER Event. Aber ich wohne jetzt im Pott. Da sagt man „Hömma, komm ma bei mich bei“.
Ich bin also stets bemüht und hoffe Du kommst nicht nochmals zu spät auf Arbeit, weil Du ellenlange Texte Deiner Tochter lesen musst.

Der heutige Blogpost ist nicht von mir, sondern von einem Gast: Sascha Nicolai.

Den konntet ihr bereits kennenlernen, weil er mich letztes Wochenende nach Krombach begleitet hat. Wir kennen uns seit dem Bottroper Herbstwaldlauf, bei dem wir beide die 25km Strecke erobert haben.
Sascha mag die Ruhrpott Halden übrigens auch so gern wie ich.
Er ist kein Veganer. Nicht mal Vegetarier. Aber das macht nichts. Ich mag ihn trotzdem.

Während meine Freunde mich belächeln, wenn ich sonntags in der Früh mit meinem Bike und Co. in die hessische oder bayrische Pampa zum Triathlon aufbreche, was würden sie dann erst zu ihm sagen?

Sascha läuft nicht einfach nur. Er sucht oftmals die spezielle Herausforderung und das Besondere.
Deshalb läuft er nicht einfach nur einen Halbmarathon. Er läuft einen Untertage Halbmarathon! Am 21. November 2014 in einem ehemaligen Salzbergwerk in Thüringen. In 700 Metern Tiefe.

Aber lest selbst:

DSC_1805

„Da steh´ ich nun. Sondershausen in Thüringen. Was ich hier mache? Dummes Zeug. Gleicht geht´s 700 Meter unter Tage, nen Halbmarathon laufen.

Detlef und Manuela, beide mittlerweile sehr lieb gewonnen durch „Speed of Light“, sind auch da. Detlef läuft mir direkt auf dem Parkplatz in die Arme; Manuela finden wir kurz darauf in der Schlange wieder. Erstmal Startunterlagen abholen. „Dräihünderdachnzwansch“, sagt die nette Dame zu mir.

Ich hol mir noch meinen Transponder, und dann heißt es erst mal: Warten. Es geht immer zu 15 Leuten in den Aufzug und auf die knapp 5 Minuten lange Fahrt nach unten. Dort angekommen ist alles neu: Das erste Mal unter Tage, noch dazu zu einem Laufevent. Hier ist es noch kühl, kein Wunder, durch den Schacht kommt kalte Luft rein.

Wir gucken uns erstmal um. Die Kapelle spielt, die Stimmung ist toll. Wände werden bunt angestrahlt, so dass die Salzkristalle herrlich funkeln.

Christoph und Sandra treffen wir auch noch. Noch ein Foto für die Ewigkeit, viel Glück und ab zum Start. Da dauert es erst mal. Kommen doch noch viele runter. Ne halbe Stunde später geht´s dann los.
Zunächst werden die 12 Nationen, die am Lauf teilnehmen, mit Fahnenträgern vorgestellt. Wahnsinn, selbst aus Amiland sind welche hier. Dann muss es ja toll sein!

Los geht´s.

Links abbiegen, und schon erscheint der erste Verpflegungspunkt, der uns die nächsten Runden erfrischen wird.

Das Gelände ist unwirklich. Alles mit einer Art Salzstaub bedeckt. Winter Wonderland in 700 Metern Tiefe. Die Strecke zeigt dann zum ersten Mal, wieso man hier physisch und psychisch fit sein sollte. Es geht ein knackiges Bergstück runter. Nicht ohne. Viele Windungen, immer mal wieder kann man in Gänge hineinschauen, die links und rechts von unserem Weg abzweigen.

Natürlich alles abgesperrt, damit wir nicht die Elfen und Trolle stören. Wollen wir auch nicht.

Es wird merklich wärmer, und auch das Profil ändert sich. Langsam zieht es sich bergauf. War es grade noch hell, wird es jetzt dunkel. Die Beleuchtung ist spärlich. Aber wir haben ja Stirnlampen…

Nachfolgend ein Stück, das sehr angenehm ist. Leicht profiliert, laufen wir immer mehr ins Warme. Wir laufen vorbei an Baumaschinen, die am Wegesrand stehen. Der Tunnel ist angenehm breit, man kann mit Mehreren nebeneinander herlaufen.

Ab geht´s! Im wahrsten Sinne. Recht steil, noch dazu kommt eine Biegung. Dann kommt ein recht langes Stück, jeder versucht, sich so gut wie möglich abzubremsen. Man hat ein gutes Stück, sein Tempo wieder zu normalisieren, doch schon geht´s wieder kurvig bergab. Es wird heller, man hört Musik und Stimmen: Der zweite Verpflegungspunkt ist erreicht. Der Mann am Mikro macht verdammt gute Stimmung, tut gut nach den letzten geschätzt 200-300 Metern. Aber ich nehme mir nichts, die erste Runde möchte ich durchlaufen.

Nach der Verpflegungsstelle geht´s in einen sehr weitläufigen, ansteigenden Tunnel. Ein so beeindruckender Anblick! Der Gang verengt sich wieder, das Licht wird spärlicher. Und schon geht´s wieder bergab. Erst leicht, dann wieder recht brutal. Noch dazu die ansteigende Hitze. Es durften zwischendurch bestimmt an die 25-30 Grad gewesen sein.

Und jetzt fängt das Ganze eigentlich erst richtig an: Alles, was runter geht, muss irgendwann wieder hoch. Und das kommt jetzt. Hart komprimiert auf gut 700 Meter, wie ich schätze. Es baut sich eine Steigung auf, die nicht enden will. Gar nicht. Niemals. Kein bisschen. Die Beine schreien „Aufhören! gehen! Bitte!“, doch ich kann nicht hinhören. Ich muss mich konzentrieren. „Wo bleibt eigentlich der Schweiß?“, denke ich bei mir. Den gibt´s nicht. Leicht feuchte Arme, aber keine Tropfen, wie ich es sonst von mir kenne. So trockene Luft, dazu die salzige Umgebung, und man spürt förmlich, wie es einen austrocknet.

Ein kleines Stück gerade. Winzig klein. Und wieder ab in die Steigung. Irrsinn, Wahnsinn! Wieder vollste Anstrengung für Psyche und Physe. Eigentlich kann ich nicht mehr. Doch da wird es merklich kühler, es sind mehr Leute zu sehen, und dann hört man Stimmen. Es ist geschafft, es ist kalt, flach, und das Ende der Runde ist erreicht! Ein Glücksgefühl stellt sich nicht ein. Das ganze muss schließlich noch 5x  gelaufen werden!

Diesmal nehme ich die Verpflegungsstelle mit. Ich bleibe stehen. Es gibt Tee, Wasser, Vita Cola. ich nehme einen Tee und 2 Wasser. Eins zum Trinken, eins zum kühlen des Körpers. Weiter geht es. Aber in gemäßigtem Tempo. Ich bin die Runde zwar gelaufen, aber Erinnerungen sind wenige da. Egal, verlaufen geht nicht. Bergab tut´s in den Oberschenkeln schon jetzt weh. Also so gut wie möglich Tempo rausnehmen, trotz des ambitionierten Ziels, es vielleicht in 2 Stunden zu schaffen. Aber das begrabe ich schon jetzt.

Zwischendurch genieße ich das tatsächlich, wenn man die wunderschöne Zeichnung in den Wänden sieht. Eine beeindruckende Verwerfung links, sowas fasziniert mich. Am liebsten würde ich stehen bleiben und nach Elfen und Trollen suchen. Aber ich darf ja nicht.

Jedes Stück bergab wird zur Probe, wie weit man die Oberschenkel malträtieren kann. Bergauf ist im Grunde einfach der Wille gefragt. Der ist gebrochen, es gibt Passagen, die ich gehe. Wie schon jetzt sehr viele. Aber es gibt einige, die laufen da hoch, als wär´s nichts. Meist dürre Typen im hautengen Einteiler mit Sponsoren und Vereinsnamen drauf. Triathleten und Trailrunner. Sollen sie. Glück Auf!

Langsam gesellen sich kleine Gruppen zusammen, die gleiches Tempo laufen/ gehen. Mal bricht hier einer aus, mal da, um doch etwas eher wieder zu laufen. Auch ich versuche es.

Irgendwie komme ich schnellen Schrittes den irgendwie noch länger und steiler gewordenen Schlussanstieg hoch. Ich atme extra tief ein, die kalte Luft tut so wahnsinnig gut!

In Runde 3 passiert es dann: nach einem knackigen Anstieg läuft plötzlich ein Troll mit seiner Keule neben mir her. ich frage ihn: „Was machst du denn hier?“. „Ich vertreibe mir ein wenig die Zeit. Ich muss nachher hier stehen, um den Marathonläufern auf den Kopf zu hauen“. „Aha. Und wieso läufst du neben mir her?“ „Ich habe Langeweile, und du siehst so fertig aus, da dachte ich, du bist perfekt zum Üben!“ „Üben?“ „Ja!“. Sprach es, donnerte mir seine Keule auf den Kopf und war weg. Aha. Der Troll mit der Keule. Ich schüttele kurz den Kopf. „Junge, du musst was trinken, du fantasierst schon!“, denke ich bei mir.

Der Schlussanstieg ist mittlerweile zur Nordwand geworden. Unsere Wandergruppe wird größer, hält aber das Tempo.

Wieder frische Luft, atmen!

Ich gucke auf die Anzeigetafel, wo unsere Namen erscheinen. Ich finde meinen, und sehe bei „Runden“ eine 3 bei mir. Was soll das? Ich bin doch in Runde 4! War der Troll doch real? Egal. Laufen muss ich eh. Zwischen der Wanderung. Die Verpflegung kommt gelegen, 3 Stücke Orange vertreiben für einen Moment den Salzgeschmack. Wenn´s mal so flach ist, dass das schmerzfrei geht, nehme ich Tempo auf.

Am Rand steht ein Kumpel in voller Kluft. Ich frage ihn, ob er nicht mal ne Runde für mich laufen will. „Ich bin hier schön sö viele mohl durschgläüfn, däs broöch ich nisch mähr!“. „Das glaube ich Ihnen! Glück Auf!“. Schon kommt das nächste Steile Stück.

Am Ende der Runde gucke ich wieder auf die Anzeige. Eine 2 steht da bei mir. Puh! Das Ding zählt rückwärts! Das gibt tatsächlich nochmal etwas Kraft. An der Verpflegung nehme ich jetzt neben Tee, Wasser und Cola ein Stück Powerriegel zu mir. Gut kauen habe ich gelernt, und genug trinken. Mit 2 Bechern Wasser nehme ich die vorletzte Qual in Angriff. Jammern nützt ja nichts.

An der anderen Verpflegungsstelle ist immer noch super Party. Aber genießen kann ich das nicht mehr. Kurz bevor es in die Alpen geht, höre ich von links leise meinen Namen. Die Manuela. Läuft an mir vorbei, als wär´s nix. Wiegt ja auch nur 1/3 von mir.

Dann ist es fast geschafft, die letzte Runde, 3,44 Kilometer. Eigentlich ein freudiger Moment, aber die Freude ist irgendwann links abgebogen. Zum Troll.

Ich lasse die Verpflegung aus, will nochmal ein bisschen versuchen, was drauf zu legen. Und an den Gehpunkten schneller zu gehen. Klappt, bis zur zweiten Verpflegung. Da greife ich nochmal zu, bedanke mich für den tollen Service und laufe weiter.

Ich laufe auf Sandra und Christoph auf, die sich zusammen durchkämpfen. Kurzes Pläuschchen, weiter geht´s. Ein letztes Mal in der doch recht umfassenden Wandergruppe den Mount Everest hochgequält. Kalt. Frische Luft. Ziel. Geschafft!

Manuela steht schon da seit einer Minute, und eine Minute nach mir kommt Detlef. Wir sind uns einig: Das war das Härteste, was wir je gemacht haben!

Bloß gut, dass diese Veranstaltung dort das letzte Mal stattgefunden hat – ich wär sonst wieder dabei…“

Verrückt oder?

In diesen 6 Runden gab es übrigens PRO Runde ca. 20 Grad Temperaturunterschied und 85 Höhenmeter. ALTER !

Anbei ein Video und paar Fotos:

Advertisements

3 Gedanken zu “Ein dankbares Laufmädchen und Sascha beim Untertage-Halbmarathon in Thüringen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s